Gourmet-Führer für Pigalle

Intérieur spacieux du coffee shop Marlette à Pigalle avec comptoir en bois, étagères de produits bio, tables et chaises en bois naturel, client en mouvement
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Titelbild: @lapuertaontheroad

Pigalle beginnt am Fuße von Montmartre, dort, wo die rue des Martyrs hinunter zu den Grands Boulevards führt. Das Viertel erstreckt sich zwischen dem 9. und dem 18. Arrondissement, eingeklemmt zwischen den blinkenden Leuchtreklamen des boulevard de Clichy und den ruhigen Gassen, die hinauf zum Sacré-Cœur führen. Man kommt wegen des Moulin Rouge, man bleibt wegen der Bars der rue Jean-Baptiste Pigalle, der Plattenläden der rue des Martyrs, der Sonntagsbrunches, bei denen niemand auf die Uhr schaut.

Dieser Guide zeichnet die kulinarische Landkarte eines Viertels, das die Anwohner gut kennen. Man geht von der place Pigalle, erreichbar mit der Metrolinie 2 und 12, zu den Adressen, an denen man nach Mitternacht anstoßen kann, mit einem Abstecher zu den Brunch-Tischen, die einen Umweg wert sind. Keine Wikipedia-Route, keine Führung: nur die Orte, an denen man essen, trinken und durchatmen kann, in einem Viertel, das eigentlich nie schläft.

Die kulinarische Identität von Pigalle

Gabel genießt ein köstliches Bio-Gebäck bei Marlette, rue des Martyrs in Pigalle

Zwischen Montmartre und Opéra, ein Lebensraum mit mehreren Gesichtern

Pigalle ist kein Viertel aus einem Guss. Der gleichnamige Platz dient als Drehpunkt. Auf der einen Seite führt die rue des Martyrs nach Süden, eine lange Geschäftsstraße, die das 9. Arrondissement bis zum square d’Anvers durchquert. Auf der anderen Seite steigt der boulevard de Clichy hinauf nach Montmartre, mit seinen roten Fassaden, seinen Sexshops und dem Moulin Rouge an der Kreuzung zur rue Lepic. Dazwischen ein Geflecht aus kurzen Straßen, rue Victor Massé, rue Jean-Baptiste Pigalle, rue Frochot, in denen Kunstgalerien, Probenstudios und Haussmann-Wohnungen nebeneinander bestehen.

Das Viertel verdankt seinen Namen dem Bildhauer Jean-Baptiste Pigalle, der sich im 18. Jahrhundert hier niederließ. Heute vereint der Ort drei Gesichter: das nächtliche Pigalle mit seinen Bars und Konzertsälen, das geschäftige Pigalle der rue des Martyrs, wo an jedem Bürgersteig Käseläden, Obst- und Gemüsehändler sowie Konditoreien aufgereiht sind, und das wohnliche Pigalle, das der Bewohner, die die Adressen ohne Schild kennen. Wer sucht, wo man morgens essen oder abends anstoßen kann, für den überlagern sich diese drei Ebenen. Man brunched in der rue des Martyrs, trinkt etwas in der rue Jean-Baptiste Pigalle und zieht dann nach Montmartre wegen der Aussicht.

Die rue des Martyrs, die Brunch-Ader von Paris

Die rue des Martyrs durchquert Pigalle von Norden nach Süden, von der place des Abbesses bis zur rue Notre-Dame-de-Lorette. Auf fast einem Kilometer reihen sich Feinkostgeschäfte aneinander: Bäckereien, Weinhändler, italienische Feinkostläden, Kaffeeröster. Es ist auch eine der Straßen, in denen sich der Brunch in den letzten zehn Jahren stark etabliert hat. Sonntagmorgens sind die Terrassen schon ab 11 Uhr ausgebucht.

Hier findet man Adressen mit vielfältiger Küche. Marlette, in der 51 rue des Martyrs, serviert Bio-Gebäckspezialitäten, Cookies mit Schokoladen-Sesam-Stückchen, Fondant au Chocolat mit einem schmelzenden Kern aus Fleur de Sel von der île de Ré, Scones und ein saisonales herzhaftes Menü: Rührei, Avocado-Toast, gemischte Salate. Der Spezialitätenkaffee wird als Cappuccino, Latte, Flat White angeboten, dazu eine Getränkekarte mit Wohlfühlgetränken: Ube Latte, Matcha Latte, Chai Latte, frische Säfte. Die Atmosphäre bleibt die eines Nachbarschaftscafés: Man trifft hier auf die Bewohner des Viertels, nicht nur auf Touristen.

Weiter unten in der Straße, Richtung 9. Arrondissement, sind auch andere Tische gut besucht: Angebote aus Eiern, Brot und Kaffee, hausgemachtem Granola, Pancakes. Die rue des Martyrs fungiert wie ein kulinarischer roter Faden zwischen Montmartre und der Opéra Garnier. Wer das Viertel mit dem Gaumen entdecken möchte, findet hier einen guten Einstieg. Die kulinarischen Viertelführer für Paris beschreiben weitere ähnliche Straßen in der Hauptstadt im Detail.

Die Bars der rue Jean-Baptiste Pigalle und des boulevard de Clichy

Bei Einbruch der Nacht verändert sich Pigalle. Die Bars füllen sich. Die rue Jean-Baptiste Pigalle, senkrecht zur rue des Martyrs, konzentriert mehrere Adressen, an denen man bis spät in die Nacht etwas trinken kann. Man findet dort ausgefeilte Cocktails, Naturweinkarten, handwerklich gebraute Biere. Die Atmosphäre variiert von Ort zu Ort: Holztresen, Chesterfield-Sofas, rote Neonlichter, gedämpfte Stimmung oder laute Musik.

Der boulevard de Clichy bleibt seinem nächtlichen Ruf treu. Die Leuchtreklamen blinken, die Terrassen sind überfüllt, DJs legen hinter Schaufenstern auf. Man trifft dort ebenso viele Touristen, die wegen des Moulin Rouge gekommen sind, wie junge Pariser, die auf der Suche nach ausgelassenen Abenden sind. Zwischen diesen beiden Straßen verbergen sich in den Seitenstraßen diskretere Bars: gewölbte Weinkeller, kleine Tresen mit zehn Plätzen, Adressen ohne Schild, an denen man klingeln muss, um hereinzukommen.

Wer sucht, wo man in Pigalle abends ausgehen kann, für den bleibt die Strategie einfach: mit einem Drink in der rue Jean-Baptiste Pigalle beginnen, weiter zum boulevard de Clichy, und in einem Konzertsaal in der rue Victor Massé oder der rue André Antoine enden. Das Viertel bietet eine seltene Dichte an Orten, die bis spät geöffnet haben. Die besten Bars wechseln schnell, das Angebot erneuert sich alle zwei Jahre, aber der Geist bleibt: Pigalle bleibt ein Viertel, in dem man nach Mitternacht anstoßen kann.

Praktische Adressen und kulinarische Routen

Köstliche pochierte Eier in einer gerösteten Paprikaschale, serviert mit einem Café crème und hausgemachten Pommes bei Marlette Pigalle

Sonntagsbrunch: drei Routen rund um die place Pigalle

Der Sonntagmorgen in Pigalle folgt einem Ritual. Man verlässt die Metro der Linie 2 oder 12, Station Pigalle, und geht entweder hinauf Richtung Montmartre oder hinunter Richtung Opéra, je nachdem, wo man sich niederlassen möchte. Drei kulinarische Routen zeichnen sich ab:

  • Route Montmartre: von der place Pigalle die rue des Martyrs hinauf bis zu den Abbesses gehen. Halt an der Hausnummer 51 zum Brunch bei Marlette, morgens keine Reservierung, man kommt einfach vorbei und schaut, ob noch Platz ist. Weiter bis zur place des Abbesses, wo sich eine zweite Marlette-Adresse in der 45 rue des Abbesses befindet. Abschließend ein Spaziergang durch den square Jehan Rictus oder, wenn Lust besteht, ein Aufstieg zum Sacré-Cœur.
  • Route Opéra: die rue des Martyrs nach Süden hinuntergehen, bis zur rue Saint-Georges. Man durchquert dabei das geschäftige Herz des 9. Arrondissements mit seinen Bäckereien, Käseläden, Obst- und Gemüsehändlern. Mehrere Cafés bieten entlang dieses Abschnitts einen Brunch an. Möglichkeit, zur Opéra Garnier abzubiegen, zehn Minuten zu Fuß entfernt.
  • Route place Pigalle: vor Ort bleiben und die Seitenstraßen erkunden, rue Jean-Baptiste Pigalle, rue Victor Massé, rue Frochot. Einige Brunch-Adressen verstecken sich dort, oft diskreter. Der Vorteil: weniger Menschen, nachbarschaftliche Atmosphäre.

Jede dieser Routen lässt sich in zwei Stunden abschließen, Brunch inbegriffen. Um die Pariser Viertel weiter zu entdecken, bieten die Inspirations- und Entdeckungsguides weitere thematische Spaziergänge in der Hauptstadt an.

Kaffee oder ein Getränk tagsüber

Zwischen Mittag und 15 Uhr leert sich Pigalle ein wenig. Die Nachtbars sind geschlossen, die Brunch-Restaurants räumen die Tischdecken weg. Es ist die Zeit, in der die Bewohner des Viertels für einen schnellen Kaffee oder ein leichtes Mittagessen herauskommen. Die rue des Martyrs bleibt lebendig: Man findet dort italienische Sandwichläden, Bäckereien, die vor Ort servieren, Kaffeeröster, an deren Theke man einen Espresso im Stehen trinken kann.

Bei Marlette, sowohl in der rue des Martyrs als auch in der rue des Abbesses, ist der Nachmittagszeitraum von 15 bis 18 Uhr für Reservierungen unter reservation@marlette.fr vorgesehen. Zu dieser Tageszeit kommen Gruppen, Lesezirkel, informelle Team-Treffen. Der Raum atmet, die Gespräche tragen, man hat Platz, sich ohne Gedränge niederzulassen. Außerhalb dieses Zeitfensters, morgens und mittags, kommt man einfach vorbei und schaut, ob noch Platz ist.

Für einen Spezialitätenkaffee rösten mehrere Adressen in Pigalle vor Ort oder arbeiten mit kleinen Pariser Kaffeeröstereien zusammen. Man kann dort sanfte Zubereitungsmethoden genießen, V60, Chemex, AeroPress, sowie Lattes mit kreativen Rezepturen: Matcha, Ube, Chai. Das Angebot hat sich in den letzten fünf Jahren diversifiziert, mit der Ankunft ausgebildeter Baristas und rückverfolgbarer Kaffeekarten.

Verkehrsanbindung und praktische Orientierungspunkte

Pigalle ist mit der Metro leicht zu erreichen. Die Station Pigalle (Linien 2 und 12) bildet den wichtigsten Zugangspunkt. Um nach Montmartre zu gelangen, kann man auch an der Station Abbesses (Linie 12) aussteigen und hinauf zum Sacré-Cœur gehen. Um Richtung Opéra hinunterzugehen, bieten Saint-Georges (Linie 12) oder Anvers (Linie 2) Alternativen.

Das Viertel lässt sich zu Fuß erkunden. Von der place Pigalle bis zum Gipfel von Montmartre rechnet man mit fünfzehn Minuten bergauf. Von Pigalle zur Opéra Garnier sind es zehn Minuten in der Ebene. Die Hauptstraßen, rue des Martyrs, boulevard de Clichy, sind breit und belebt. Die angrenzenden Gassen, enger, erfordern manchmal einen Blick auf den Stadtplan: rue Germain Pilon, rue Houdon, rue de la Tour d’Auvergne bilden ein Labyrinth.

Einige visuelle Orientierungspunkte helfen bei der Navigation: das Moulin Rouge an der Kreuzung Blanche, das rote Schild des Trianon in der rue Rochechouart, die weiße Fassade des Théâtre de l’Atelier an der place Charles-Dullin. Für Ortsfremde lässt sich das Gebiet um Pigalle als Dreieck lesen, dessen drei Spitzen die place Pigalle im Süden, der Sacré-Cœur im Norden und die Opéra Garnier im Osten wären.

Häufig gestellte Fragen

Kann man in Pigalle brunchen, ohne zu reservieren?

Ja, mehrere Adressen in Pigalle nehmen morgens und mittags keine Reservierungen an. Bei Marlette, in der rue des Martyrs und der rue des Abbesses, kommt man einfach vorbei und schaut, ob noch Platz ist. Das Zeitfenster von 15 bis 18 Uhr kann unter reservation@marlette.fr reserviert werden, aber zu den Brunch-Zeiten gilt: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wer vor 11 Uhr am Sonntag ankommt, erhöht die Chancen, ohne Wartezeit einen Tisch zu bekommen.

Welche Bars in Pigalle öffnen spät abends?

Die Bars des boulevard de Clichy und der rue Jean-Baptiste Pigalle bleiben unter der Woche bis 2 Uhr morgens geöffnet, am Wochenende manchmal länger. Die Konzertsäle und Clubs der rue Victor Massé schließen gegen 5 Uhr. Für genaue Öffnungszeiten lohnt es sich, im Einzelfall nachzuschauen: Manche Lokale schließen zu Wochenbeginn früher.

Wie kommt man von Pigalle zu Fuß nach Montmartre hinauf?

Zwei Hauptrouten: die rue des Martyrs hinaufgehen bis zur place des Abbesses, dann die rue Yvonne Le Tac bis zum square Louise Michel nehmen. Oder von Pigalle aus die rue Houdon nehmen, die direkt auf die place des Abbesses mündet. Von dort aus über die rue de la Vieuville oder die Treppen der rue Foyatier hinaufsteigen. Man rechnet mit fünfzehn Minuten zu Fuß.

Gibt es familienfreundliche Adressen zum Brunchen in Pigalle?

Ja. Bei Marlette heißen beide Cafés Familien mit Kindern willkommen. Die Karte bietet süße Gebäckspezialitäten, die Kindern gefallen, Cookies, Pancakes (nur in der rue des Abbesses), Scones, sowie geeignete herzhafte Gerichte. Die Atmosphäre bleibt entspannt, ohne Druck. Weitere Adressen in der rue des Martyrs bieten ebenfalls familienfreundliche Brunch-Angebote.

Kann man in Pigalle Gebäckspezialitäten zum Mitnehmen kaufen?

Bei Marlette sind alle Bio-Gebäckspezialitäten, Cookies, Fondant au Chocolat, Pekannuss-Brownie, Scones, weiche Focaccia, zum Mitnehmen erhältlich, vor Ort vom Team zubereitet oder aus der Produktion der île de Ré stammend. Keine Online-Bestellung oder Click-and-Collect, aber man kann direkt mit einer Tüte aus dem Café gehen.

Was sind die besten Zeiten, um dem Trubel in Pigalle auszuweichen?

Unter der Woche bleibt der Morgen zwischen 8 und 10 Uhr ruhig. Am Sonntag begrenzt eine Ankunft vor 11 Uhr zum Brunchen die Wartezeit. Der Nachmittag von 15 bis 17 Uhr bietet einen ruhigeren Moment mit weniger Andrang. Am Abend, vor 20 Uhr, füllen sich Bars und Restaurants nach und nach: Das ist das Zeitfenster, in dem man noch ohne Reservierung einen Platz findet.

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